Schimmelentferner

Wie und warum Schimmel entsteht

Selten ist eine einzige Ursache verantwortlich. Was in Wänden, Räumen und im Alltag wirklich zum Schimmelrisiko wird – und worauf Sie selbst Einfluss haben.

  • Aktualisiert am 17.09.2026
  • 5 Min. Lesezeit

Kein Schimmelbefall hat nur eine Ursache – meistens kommen mehrere Faktoren zusammen.

Ob an der Fensterlaibung, hinter dem Kleiderschrank oder in der Zimmerecke: Schimmel entsteht nie einfach so. Immer treffen mehrere Faktoren aufeinander – Temperatur, Feuchtigkeit, ein Nährboden aus Staub oder Tapetenkleister und, ganz entscheidend, Zeit. Wer versteht, wie diese Faktoren zusammenspielen, erkennt auch, an welcher Stelle sich am wirksamsten eingreifen lässt.

Wachstumsbedingungen im Überblick

  • Feuchtebedarf (aw-Wert): optimal zwischen 0,8 und 0,85
  • Temperatur: 20–40 °C – fast exakt die Raumtemperatur, in der wir uns selbst wohlfühlen
  • pH-Wert: die meisten Arten bevorzugen ein leicht saures bis neutrales Milieu (pH 5–7)

Schimmel entsteht: Warum Feuchtigkeit der einzige Hebel ist

Von den drei Faktoren Temperatur, Nährboden und Feuchtigkeit lässt sich im Alltag nur einer wirklich beeinflussen. Die Raumtemperatur wollen die wenigsten drastisch senken, und einen Nährboden aus Staub, Hautschuppen oder Tapetenkleister lässt sich in einer bewohnten Wohnung nie vollständig vermeiden. Bleibt die Feuchtigkeit – der einzige Hebel, an dem Sie tatsächlich etwas verändern können.

Warum wird es im Winter schlimmer?

Das lässt sich auch an der Sporenbelastung in der Luft ablesen, die über das Jahr stark schwankt:

Sporenbelastung im Jahresverlauf

  • Winter: 50–300 KBE/m³ Innenraumluft im Durchschnitt
  • Sommer: 1.000–10.000 KBE/m³
  • Höchste Belastung meist zwischen November und Februar

Das überrascht viele, die eher im Sommer mit Schimmel rechnen. Tatsächlich kühlen im Winter die Außenwände am stärksten aus, während gleichzeitig am seltensten gelüftet wird. Ein praktischer Tipp am Rande: Nach starkem Regen steigt die Sporenkonzentration in der Außenluft kurzzeitig stark an, auf bis zu 100.000 KBE/m³ – dann lohnt es sich, mit dem nächsten Stoßlüften ein paar Minuten zu warten.

Wenn ein einzelnes Leck alles verändert

Nicht jede Ursache ist schleichend. Ein Rohrbruch mit nur 0,5 Millimetern Durchmesser kann bei 5 bar Leitungsdruck bis zu 500 Liter Wasser am Tag freisetzen – oft unbemerkt, weil das Wasser hinter Wänden oder unter Estrich abfließt, bevor es sichtbar wird. Auch ohne Rohrbruch gibt es typische Schwachstellen: Rollladenkästen, Fenster- und Türlaibungen sowie Innenecken von Außenwänden kühlen schneller aus als der Rest der Wand und werden dadurch besonders anfällig.

Damit lassen sich zwei grundsätzlich verschiedene Feuchtequellen unterscheiden, die beide zum Befall führen können, aber unterschiedlich behandelt werden müssen:

Direkte Durchfeuchtung

Wasser dringt unmittelbar ein – durch ein Leck, einen Rohrbruch oder eindringende Nässe von außen. Meist plötzlich, mit klar erkennbarer Quelle.

Indirekte Durchfeuchtung

Feuchte Raumluft schlägt sich an kühlen Oberflächen nieder, etwa an Wärmebrücken. Entsteht schleichend, ohne dass irgendwo Wasser eindringt.

Warum manche Wände schneller schimmeln als andere

Eine Wärmebrücke ist eine Stelle, an der Wärme schneller nach außen entweicht als in der übrigen Wand – häufig Außenwandecken, Rollladenkästen oder Fensterstürze. Die Oberflächentemperatur sinkt dort messbar ab, und sobald sie die sogenannte Taupunkttemperatur unterschreitet, kondensiert Feuchtigkeit aus der Raumluft.

„Schimmel kann sich bereits deutlich vor dem sichtbaren Kondenswasser bilden.“

Aus dem AGO Schimmel-Ratgeber

Das erklärt auch, warum Schimmel entsteht, obwohl an der Wand nie Wasser zu sehen war – das feuchte Milieu reicht dafür bereits aus, bevor überhaupt Tropfen sichtbar werden.

Wie viel Feuchtigkeit produzieren Sie täglich, ohne es zu merken?

Ein großer Teil der Feuchtigkeit in Wohnräumen stammt nicht von außen, sondern entsteht durch das tägliche Wohnen selbst – Duschen, Kochen, Wäsche trocknen, sogar Atmen und Schwitzen im Schlaf.

Wasserdampf im Alltag (pro Stunde)

  • Ruhe / Schlaf: ca. 30 g
  • Leichte Tätigkeit: ca. 50 g
  • Schwere körperliche Arbeit: ca. 150 g
  • Wäsche trocknen in der Wohnung: 150–500 g
  • Offene Wasserflächen (z. B. Aquarium): ca. 40 g

In einem 4-Personen-Haushalt kommen so pro Woche 50 bis 100 Kilogramm Wasserdampf zusammen – umgerechnet fast eine halbe Badewanne, die vollständig über die Raumluft entsorgt werden muss. Kommt diese Menge nicht durch Lüften nach draußen, bleibt sie im Raum und sucht sich die kälteste verfügbare Fläche.

Wo Schimmel am häufigsten entsteht

Vermutlich würden die meisten zuerst aufs Badezimmer wetten. Tatsächlich betreffen rund 4 von 10 Fällen das Schlafzimmer – nicht, weil dort mehr Feuchtigkeit entsteht, sondern weil dort am seltensten gelüftet wird: im Schnitt nur einmal täglich für wenige Minuten. Das Bad wird trotz höherer Feuchtebelastung meist häufiger gelüftet und geputzt, was das Risiko dort spürbar senkt.

Schimmel entsteht: Welche Faktoren spielen eine Rolle?
Das Bild zeigt alle wichtigen Einflussfaktoren für das Wachstum von Schimmel: Feuchte, Temperatur, Nährstoffe und pH-Wert.

Was folgt daraus? Schimmel entsteht selten aus einem einzigen Grund, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer kleiner Faktoren – von der Bauweise bis zum eigenen Lüftungsverhalten. Wie Sie einen bereits entstandenen Befall einordnen, lesen Sie in unserem Ratgeber Schimmel erkennen und richtig einschätzen, und wie Sie aktiv vorbeugen und entfernen, in Schimmel in Wohnräumen entfernen.

Häufige Fragen zu den Ursachen von Schimmel

Die folgenden Fragen dazu, wie Schimmel entsteht, erreichen uns besonders oft – vielleicht ist Ihre auch dabei.

Reicht Lüften allein, um Schimmel dauerhaft zu verhindern?

Lüften ist die wichtigste Einzelmaßnahme, wirkt aber nur, wenn keine baulichen Wärmebrücken oder Wasserschäden die eigentliche Ursache sind. In dem Fall muss zusätzlich die bauliche Schwachstelle behoben werden.

Kann Schimmel entstehen, ohne dass irgendwo Wasser sichtbar war?

Ja. An Wärmebrücken reicht bereits kondensierte Luftfeuchtigkeit unterhalb der sichtbaren Tropfenbildung aus, damit sich ein Nährboden für Schimmel bildet.

Warum schimmelt es hinter Möbeln an Außenwänden besonders oft?

Weil Möbel die Luftzirkulation an dieser Stelle blockieren. Die Wand kühlt weiter aus, die Luft dahinter kann nicht zirkulieren, und Feuchtigkeit kondensiert leichter als an frei stehenden Wandflächen.

Sollten Sie etwas vermissen oder unsicher sein, welche Ursache bei Ihnen vorliegt, rufen Sie uns gerne an unter 02904 – 98 98 98-0. Oder schreiben Sie uns an info@agoshop.de.

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