Schimmel

Warum saubere Luft Ihren Flechten beim Wachsen hilft

Ein Umwelterfolg mit unerwarteter Nebenwirkung: bessere Luft, mehr Flechten auf Terrasse und Fassade.

  • Aktualisiert am 20.09.2026
  • 3 Min. Lesezeit
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Bessere Luftqualität ist eine gute Nachricht für die Umwelt – und eine schlechte für Ihre Terrasse, denn Flechten und Luftqualität hängen enger zusammen, als man denkt.

Wer sich fragt, warum Gehwege, Dächer und Fassaden heute schneller mit Flechten überziehen als noch vor einigen Jahrzehnten, landet bei einer eher unerwarteten Antwort: Es liegt nicht an schlechterer, sondern an besserer Luftqualität.

Flechten als Frühwarnsystem für Luftverschmutzung

Flechten sind eine Lebensgemeinschaft aus einem Pilz und einer Alge oder einem Cyanobakterium, die eng zusammenleben. Diese Kombination macht sie extrem empfindlich gegenüber bestimmten Luftschadstoffen – vor allem gegenüber Schwefeldioxid (SO₂), wie es früher in großen Mengen bei der Kohleverbrennung entstand. In stark belasteten Innenstädten und Industriegebieten des 20. Jahrhunderts verschwanden viele Flechtenarten deshalb über Jahrzehnte fast vollständig von Fassaden, Dächern und Bäumen.

Genau diese Empfindlichkeit macht Flechten zu einem der zuverlässigsten biologischen Messinstrumente überhaupt: Botaniker nutzen ihr Vorkommen und ihre Vielfalt bis heute, um die Luftqualität einer Region einzuschätzen, ganz ohne technische Messgeräte.

Warum Flechten so empfindlich reagieren

  • Sie besitzen keine schützende Wachsschicht wie Blätter höherer Pflanzen und nehmen Schadstoffe direkt aus Luft und Regenwasser auf
  • Sie wachsen extrem langsam und akkumulieren Schadstoffe über viele Jahre
  • Verschiedene Arten reagieren unterschiedlich empfindlich – ihre Artenvielfalt an einem Standort liefert daher ein differenziertes Bild

Diese Empfindlichkeit erklärt auch, warum sich der Zusammenhang zwischen Flechten und Luftqualität seit einigen Jahrzehnten so deutlich zeigt:

Was sich seit den 1980er-Jahren verändert hat

Mit der Einführung von Rauchgasentschwefelungsanlagen in Kraftwerken, dem Rückgang der Kohleheizung in Privathaushalten und strengeren Abgasgrenzwerten ist die Schwefeldioxid-Belastung der Luft in Deutschland und weiten Teilen Europas seit den 1980er-Jahren drastisch zurückgegangen. Für die Umwelt ist das eine eindeutig gute Entwicklung – saubere Luft schützt Atemwege, Wälder und Gewässer.

Für Flechten bedeutet dieselbe Entwicklung: freie Bahn. Arten, die jahrzehntelang aus Stadtgebieten verschwunden waren, breiten sich seit einigen Jahren wieder aus – auch dort, wo sie vorher nie zu sehen waren. Wer also eine relativ neue Terrasse oder Fassade beobachtet, die schneller befallen wird, als es noch bei älteren Gebäuden im selben Umfeld der Fall war, sieht damit indirekt einen Erfolg der Umweltpolitik der letzten Jahrzehnte.

Damals: schlechte Luft

Hohe SO₂-Belastung durch Kohleverbrennung verdrängte empfindliche Flechtenarten fast vollständig aus Stadtgebieten.

Heute: saubere Luft

Deutlich geringere Schadstoffbelastung lässt dieselben Arten wieder zurückkehren – auch auf Flächen, die vorher nie befallen waren.

Ein schwacher Trost ist das zugegebenermaßen, wenn man gerade selbst vor einer verflechteten Gehwegplatte steht. Die gute Nachricht: Anders als die Luftqualität lässt sich der Belag auf der eigenen Fläche gezielt behandeln. Wie das schonend gelingt, zeigt unser Ratgeber Flechten von Steinoberflächen entfernen.

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